Romanreihe über das letzte Jahrhundert der römischen Republik - von Colleen McCullough
 
 

            

 

Romanreihe über das letzte Jahrhundert der römischen Republik

- von Colleen McCullough

     
 

Colleen McCullough hat eine Romanreihe geschrieben, die in den letzten Jahren der römischen Republik, genauer gesagt in den Jahren 110 bis 27 vor Christus spielt. Ich habe ihre Romane bis Rubikon gelesen, dieses Buch endet im Jahr 48 vor Christus. Im ganzen sind es folgende Romane:

Von den meisten historischen Romanen ist man gewohnt, dass es eine Hauptfigur und einen Gegenspieler gibt, die keine historischen Figuren sind, sondern frei erfunden. Das ist bei McCullough anders: Bei ihr sind die historischen Personen die Hauptfiguren, angefangen bei Gaius Marius und Sulla bis zu Caesar und Pompeius. Viele andere einflussreiche Römer treten auf, ebenso wie die großen Gegner Roms: Jugurtha, Mithradates, Vercingetorix. Aus diesem Personal sollte man jedoch nicht schließen, dass auch die tatsächliche historische Handlung erzählt wird, was schon allein wegen der lückenhaften Überlieferung nicht möglich ist. Vielmehr pickt McCullough die dürftigen historischen Fakten heraus und dichtet den Rest dazu. Teilweise ist das amüsant, wenn sie zum Beispiel eine Verlobung zwischen Iunius Brutus und Caesars Tochter Julia erfindet. Für meinen Geschmack übertreibt sie es aber oft. So schreibt sie zum Beispiel, Caesar hätte seinen besten Legaten Labienus absichtlich zu Pompeius ziehen lassen. Unrealistisch!
McCullough schreibt also die Geschichte, wie sie sich zugetragen haben könnte. Dies ist der größte Pluspunkt ihrer Romane: Jemand, der sich für das letzte Jahrhundert der römischen Republik interessiert, der vielleicht schon einige Sachbücher über diese Epoche gelesen hat, wird auf viele Bekannte treffen. Diese Bekannten sind in McCulloughs Büchern nicht mehr nur bloße Namen, die mit bestimmten Daten und Taten in Zusammenhang gebracht werden. In diesen Romanen lieben, hassen, kämpfen, lernen, essen, intrigieren diese Menschen, kurz: Sie werden lebendig, man sieht sie vor sich.
Intensiv werden nur die wichtigsten Figuren geschildert, vor allem Marius, Sulla, Pompeius und Caesar. Nebenfiguren treten dutzendfach auf, sie huschen am Leser vorbei wie flüchtige Bekannte, aber sie bleiben nicht bei ihm wie gute Freunde. Die Erzählperspektive wechselt ständig zwischen diesen Figuren, manchmal mitten im Absatz.
Die Charaktere zeichnet McCullough sehr krass: Da gibt es auf der einen Seite Caesar. Er ist von vollkommener Schönheit und ein Genie, mit sechs Jahren spricht er schon mehrere Sprachen. Und - natürlich: Er hat den Dicksten und Längsten! Zwar noch nicht mit sechs Jahren, aber ein bisschen später. Auf der anderen Seite gibt es Schwächlinge wie Bibulus oder Iunius Brutus, dessen Gesicht mit Pickeln und Bartstoppeln übersät ist und der nicht gerade vor Potenz strotzt.
Zur Handlung: Auch hier unterscheiden sich McCulloughs Werke wesentlich von den gewöhnlichen historischen Romanen, in denen es um den Kampf zwischen Held und Gegenspieler geht. In diesen Romanen will der Leser wissen, wer am Ende die Oberhand behält. McCullough kann in dieser Hinsicht keine Spannung aufbauen, zumindest nicht bei den Lesern, die sich ansatzweise in Geschichte auskennen. Denn wie der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius ausgeht, dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Aber McCullough setzt noch eins drauf: Sie lässt keine Gelegenheit aus, den Ausgang des Bürgerkriegs vorwegzunehmen. Da spürt zum Beispiel Cato, dass er vor Caesar sterben wird und in der Nacht vor Pharsalos hat Pompeius Albträume.
An vielen Stellen hält McCullough die Handlung an und widmet sich ausführlichst der Beschreibung von Figuren, Tempeln, Städten. Oft versucht sie, jedes Detail im Buch unterzubringen und bläht damit die Geschichte auf mit Informationen, die für die Handlung nicht wichtig sind. Mich nervte es, wenn zum Beispiel auf zwei Seiten das Pompeius-Theater beschrieben wird. Der Beschreibung Alexandrias ist eine halbe Seite gewidmet, sie ist damit genau so lang wie die Schilderung der Schlacht von Pharsalos, immerhin der entscheidenden Schlacht zwischen Caesar und Pompeius. Irgendwie stimmt da das Verhältnis nicht.
Was mich an ihrem Stil störte, waren die vielen Adjektive: Jemand sagt etwas sanft, ein anderer sagt etwas dumpf, dann blickt jemand in ein munteres Gesicht, Alexandria hat die weltbesten Gelehrten und die besten Archive. Anschaulich ist das alles nicht. Dann rutschen ihr Wendungen wie "grauenhaft verstümmeln" in den Roman. Hier kann man das Adjektiv "grauenhaft" weglassen, denn verstümmeln ist immer grauenhaft.
Eines der Highligts der Romanreihe ist für mich der Zweikampf zwischen Caesar und Pompeius. Hier arbeitet McCullough gut die Unterschiede zwischen den beiden Feldherrn heraus: Hier der zaudernde Pompeius, der nur bei großer Überlegenheit den Kampf wagt, dort der zupackende Caesar, der die schnelle Entscheidung will und dabei auf sein Glück und auf die Kampfkraft seiner Veteranen vertraut. Doch auch hier übertreibt es McCullough mit ihrer Bewunderung für Caesar. Selbst bei einer Niederlage Caesars streicht sie dessen Überlegenheit heraus und macht dadurch aus der Niederlage fast schon einen Triumph, wenn sie schreibt: Caesar zieht sich so unglaublich schnell zurück, dass Pompeius atemlos zurückbleibt.
Im großen und ganzen sind McCulloughs Romane leicht zu lesende Bücher mit einigen Längen, für Geschichtsfreaks jedoch trotzdem unterhaltsam.

 

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Porträt des Gaius Marius (156 - 86 v. Chr.)

Gaius Marius

 

Porträt des Lucius Cornelius Sulla Felix (138/134 - 78 v. Chr.)

Lucius Cornelius Sulla Felix

 

Porträt des Gnaeus Pompeius Magnus (106 - 48 v. Chr.)

Gnaeus Pompeius Magnus

 

Porträt des Gaius Iulius Caesar (100 - 44 v. Chr.)

Gaius Iulius Caesar

     
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