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Im Bauch des Imperiums - von S. Cho |
„Im Bauch des Imperiums“ ist ein Synonym für Rom: Das Zentrum des Imperiums, in dem die Waren des Weltreichs verdaut werden. Und tatsächlich vermittelt der Roman ein intensives Bild vom Rom Neros. Dies wird unterstützt von einem ausführlichen Glossar (25 Seiten), dazu 14 Seiten Zeittafeln über Ereignisse in Rom, Nabatäa und Judäa, schließlich noch drei Karten und ein Stammbaum der fiktiven nabatäischen Familie, von der dieser Roman erzählt. Die Wörter, die im Glossar erläutert werden, sind im Text kursiv gedruckt. Die Hauptfigur ist Ruma, ein in die Jahre gekommener Händler aus Nabatäa, er erzählt die Handlung aus der Ich-Perspektive. Der Bösewicht ist Eleazar, der Führer einer jüdischen Sekte, die sich auf einen Messias beruft, der am Kreuz starb. Ruma erfährt von dessen Plan, mit einem Schlag die gesamte Führungsschicht des Römischen Reiches zu ermorden, um Rom zu stürzen und einen Gottesstaat zu errichten. Der aktuelle Bezug zu religiösen Fanatikern von Al-Quaida und Taliban ist unübersehbar. Durch das Attentat auf Nero und sämtliche Provinzstatthalter soll im gesamten Reich ein Bürgerkrieg ausgelöst werden, was als Erstes zu einem Erliegen des Handels führen würde. Da dies auch die Geschäfte von Ruma treffen würde, muss er den Anschlag verhindern. Er wird dabei unterstützt von seinen Kindern (die schon erwachsen sind) und von den Flaviern, die zu jener Zeit den jüdischen Aufstand niederschlagen. Der Anschlag soll an den Culinaria stattfinden, einem kulinarischen Wettbewerb, bei dem in Rom die Stadt oder die Provinz zum Sieger gekürt werden soll, die den Kaiser Nero und die anwesenden hohen Beamten mit dem raffiniertesten Menü verwöhnt. Insgesamt eine Ausgangssituation, die eine spannende Handlung verspricht. Allerdings wollte sich bei mir nie diese Spannung einstellen. Dies hat mehrere Gründe:
Die Erzählung schweift oft ab, d. h. es wird über Dinge berichtet, die zwar gut recherchiert sind, aber für die Handlung keine Rolle spielen. Beispiele:
Die Autorin schreibt einen ordentlichen Stil, wenn auch manchmal ein wenig umständlich und gestelzt. Damit meine ich z. B. folgende Wendungen: Gehe ich richtig in der Annahme, dass... --- Es scheint sich zu bestätigen... --- Obschon ich nicht unbedingt davon ausgehe, in nächster Zukunft schon wieder ärztlicher Hilfe zu bedürfen...--- Es brauchte nicht viel Deutungskunst, um zu verstehen... --- Die penetranten Essenzen hatten es mir beim Betreten des Raums verunmöglicht,... Viele dieser Wendungen finden sich auch in Dialogen, so dass diese manchmal wie ein Erzähltext wirken, weil niemand so reden würde. Fazit: Der Roman liefert viele Informationen über das Rom zur Zeit Neros; er hat es jedoch nicht geschafft, mich durch eine spannende Handlung mitzureißen.
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