Im Bauch des Imperiums - von Susanne Cho
 
 

            

 

 

Im Bauch des Imperiums - von S. Cho

     
 

„Im Bauch des Imperiums“ ist ein Synonym für Rom: Das Zentrum des Imperiums, in dem die Waren des Weltreichs verdaut werden. Und tatsächlich vermittelt der Roman ein intensives Bild vom Rom Neros. Dies wird unterstützt von einem ausführlichen Glossar (25 Seiten), dazu 14 Seiten Zeittafeln über Ereignisse in Rom, Nabatäa und Judäa, schließlich noch drei Karten und ein Stammbaum der fiktiven nabatäischen Familie, von der dieser Roman erzählt. Die Wörter, die im Glossar erläutert werden, sind im Text kursiv gedruckt.

Die Hauptfigur ist Ruma, ein in die Jahre gekommener Händler aus Nabatäa, er erzählt die Handlung aus der Ich-Perspektive.

Der Bösewicht ist Eleazar, der Führer einer jüdischen Sekte, die sich auf einen Messias beruft, der am Kreuz starb. Ruma erfährt von dessen Plan, mit einem Schlag die gesamte Führungsschicht des Römischen Reiches zu ermorden, um Rom zu stürzen und einen Gottesstaat zu errichten. Der aktuelle Bezug zu religiösen Fanatikern von Al-Quaida und Taliban ist unübersehbar. Durch das Attentat auf Nero und sämtliche Provinzstatthalter soll im gesamten Reich ein Bürgerkrieg ausgelöst werden, was als Erstes zu einem Erliegen des Handels führen würde. Da dies auch die Geschäfte von Ruma treffen würde, muss er den Anschlag verhindern. Er wird dabei unterstützt von seinen Kindern (die schon erwachsen sind) und von den Flaviern, die zu jener Zeit den jüdischen Aufstand niederschlagen. Der Anschlag soll an den Culinaria stattfinden, einem kulinarischen Wettbewerb, bei dem in Rom die Stadt oder die Provinz zum Sieger gekürt werden soll, die den Kaiser Nero und die anwesenden hohen Beamten mit dem raffiniertesten Menü verwöhnt.

Insgesamt eine Ausgangssituation, die eine spannende Handlung verspricht. Allerdings wollte sich bei mir nie diese Spannung einstellen. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Hauptfigur Ruma ist ein Schwächling. Ich habe vergeblich nach einer Handlung gesucht, für die ich ihn bewundern könnte. Sicher: Er hat einige gefährliche Situationen zu überstehen, aber er rettet sich daraus nie selbst, sondern er ist hilflos und muss entweder von seinen Kindern oder von seinem römischen Freund Sabinus gerettet werden. Kurz vor dem Höhepunkt – vor den Culinaria – will er sogar fliehen.
  • In den entscheidenden und spannendsten Szenen ist Ruma (und damit der Leser) oft nicht dabei oder allenfalls passiver Beobachter. So werden beispielsweise die Einzelheiten der Verschwörung nicht von Ruma aufgedeckt, sondern sie werden ihm von Dritten zugetragen. Der Leser erfährt wichtige Ereignisse meist nur in Berichtsform, als Erzählung aus zweiter Hand.
  • Der Leser lernt den Bösewicht Eleazar anfangs nur durch einen Rückblick kennen, die erste direkte Konfronation mit Ruma findet erst spät im Buch statt. Insgesamt bleibt Eleazar eine schemenhafte und blutleere Figur.
  • In vielen Kapiteln werden nur Informationen ausgetauscht, aber es findet keine Aktion statt und oft auch nicht einmal ein Beschluss, wie es weitergeht (z. B. Kapitel 16).
  • Über echte historische Ereignisse wird ebenfalls nur berichtet: Über den Triumphzug des Nero und die Aufstände in den Provinzen erfährt der Ich-Erzähler und damit auch der Leser nur durch Berichte; ebenso vom Fall Jerusalems und von der Machtergreifung Vespasians.

Die Erzählung schweift oft ab, d. h. es wird über Dinge berichtet, die zwar gut recherchiert sind, aber für die Handlung keine Rolle spielen. Beispiele:

  • Ausführliche Beschreibung aller möglichen Geschäfte in Rom: Antiquitätenhandlung, Buchhandlung, Glaswarenhandlung, Parfumgeschäft.
  • Über eine Seite lang wird geschildert, wie in einem Lokal Essen bestellt wird.
  • Erläuterung der Vorteile einer Schiffsreise im eigenen Schiff.
  • Rückblick auf die Varusschlacht.
  • Über eine halbe Seite über die Reisegewohnheiten der Römer.
  • Über eine Seite über Weinanbau bei Römern und Nabatäern.
  • Oft wird Alltägliches berichtet: Ruma isst, Ruma legt sich schlafen, Ruma sitzt auf dem Balkon und beobachtet das Treiben auf der Straße.
  • Lebenslauf und Werke von Plinius.
  • Ruma kauft in Alexandria Geschenke für Kinder und Enkel.

Die Autorin schreibt einen ordentlichen Stil, wenn auch manchmal ein wenig umständlich und gestelzt. Damit meine ich z. B. folgende Wendungen: Gehe ich richtig in der Annahme, dass... --- Es scheint sich zu bestätigen... --- Obschon ich nicht unbedingt davon ausgehe, in nächster Zukunft schon wieder ärztlicher Hilfe zu bedürfen...--- Es brauchte nicht viel Deutungskunst, um zu verstehen... --- Die penetranten Essenzen hatten es mir beim Betreten des Raums verunmöglicht,...

Viele dieser Wendungen finden sich auch in Dialogen, so dass diese manchmal wie ein Erzähltext wirken, weil niemand so reden würde.

Fazit: Der Roman liefert viele Informationen über das Rom zur Zeit Neros; er hat es jedoch nicht geschafft, mich durch eine spannende Handlung mitzureißen.

 

Ein Klick auf die Bilder führt zu den Wiki-Artikeln der historischen Figuren im Roman "Im Bauch des Imperiums":

 

Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus - historische Figur im Roman "Im Bauch des Imperiums"

Kaiser Nero

 

 

Caesar Vespasianus Augustus - historische Figur im Roman "Im Bauch des Imperiums"

Vespasian

 

 

Imperator Titus Caesar divi Vespasiani filius Vespasianus Augustus - historische Figur im Roman "Im Bauch des Imperiums"

Titus

     
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