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In dem Roman "Ich, Claudius, Kaiser und Gott" schreibt der römische Kaiser Claudius in der Ich-Perspektive über sein Leben. Dem Autor gelingt es, über das Leben des Claudius unterhaltsam zu berichten, ohne jedoch mitreißend oder hochspannend zu sein. Das große Plus des Romans ist die historische Genauigkeit, mit der über das Leben des Claudius berichtet wird, wenngleich der Autor natürlich auch die ein oder andere Geschichte hinzudichtet, dazu zählt z. B. die Behauptung, Claudius sei Republikaner gewesen oder Herodes hätte versucht, den gesamten Osten des Reiches zu einer Erhebung gegen Rom anzustacheln.
Die deutsche Ausgabe wurde gegenüber der englischen um die Hälfte gekürzt. Leider merkt man das an einigen Stellen: Der Leser lernt die Figuren nicht näher kennen, die Motive für die Handlungen dieser Figuren bleiben im Dunkeln. Das Hauptmotiv des Autors wird jedoch schon im Vorwort klar: Er fühlt Claudius von der Geschichtsschreibung ungerecht behandelt und will mit diesem Roman einiges geraderücken.
Der Beginn des Romans besteht nicht aus einer linear fortschreitenden Handlung, sondern aus Kapiteln, die jeweils ein bestimmtes Thema behandeln, z. B.: Livia, Tiberius, Claudius' Kindheit. Nachdem diese Dinge geklärt sind, kommt nach 50 Seiten endlich die Handlung in Gang.
Die zahlreichen Intrigen, Machtwechsel und Frauengeschichten bieten genug Stoff für eine hochspannende Geschichte, die Hauptfigur Claudius schwebt ständig in Lebensgefahr. Trotzdem kam bei mir nie Spannung auf. Warum? Zum einen liegt es an der Ich-Perspektive. Logisch: Die Ich-Person kann nicht umkommen, wenn das Buch noch ein paar hundert Seiten dick ist. Zum anderen stumpfte ich nach dem zwölften Giftmord auf fünfzig Seiten ab. Die meisten dieser Todesfälle haben mich nicht im Geringsten berührt: Ich habe nicht mit den Opfern mitgelitten, ich kannte sie ja kaum, weil der Autor sie vor ihrem Tod - wenn überhaupt - nur schemenhaft vorstellte. Manchmal waren Figuren schon wieder tot, kaum dass sie in die Handlung eingeführt waren. Zwischen den Giftmorden und anderen Arten der Hinrichtung klingt der Roman manchmal wie ein Geschichtsbuch, wenn er z. B. die Machtübernahme des Tiberius beschreibt; auch die Schilderung der Verwaltungsreformen des Claudius ist nicht gerade hochspannend, gleiches gilt für die Bestimmungen des Claudius gegen Wasserdiebstahl.
Die Beziehungen des Claudius zu seinen Frauen werden ohne Emotionen geschildert. Zu Messalina schreibt er, dass er sich in sie verliebt hat, weil sie schön ist. Das ist alles.
Insgesamt wird Claudius als sympathischer und kluger Mensch mit einigen Macken dargestellt. Er ist sensibel und naiv (v. a. gegenüber Messalina), bis zu seiner Machtergreifung hat er nur ein Ziel: Er will nicht auffallen und ein ruhiges, zurückgezogenes Leben führen, von seinen Verwandten lässt er sich herumschubsen und verspotten; und am Ende tut er immer das, was man von ihm verlangt, er fügt sich in sein Schicksal. Ein mitreißender Charakter sieht anders aus.
Die Darstellung bleibt trocken, meist schildert Claudius die Ereignisse in Berichtsform, so dass keine Bilder entstehen, was gerade für mich als TV-Geschädigten wichtig wäre. Dies gipfelt in grausamen Formulierungen wie: Sie befanden sich in einer sehr wenig zuversichtlichen Stimmung.
Häufig wird die indirekte Rede benutzt, so wirkte die Handlung auf mich oft distanziert.
Auch bei der Darstellung der Schauplätze schafft es der Autor nicht, anschaulich zu beschreiben. Dem Leser wird nicht mitgeteilt, wie Paläste oder Tempel gebaut sind und wo sie stehen. Meist huscht Claudius von einer Szene zur nächsten, an keinem Schauplatz verharrt er lange, so bleiben die Szenen oberflächlich, ohne Intensität.
Was mir überhaupt nicht gefallen hat: Es werden Städte- und Ländernamen aus der Gegenwart erwähnt, z. B. Thüringen, Mannheim, Deutschland (statt Germanien), Franzosen (statt Gallier), Hermann (obwohl Claudius vermutlich Arminius schreiben würde). Auch andere Begriffe werden mit Worten aus der Gegenwart beschrieben: Marktplatz (statt Forum), Regimenter (statt Legionen), Gouverneur (statt Statthalter), Pfennig (statt Sesterz oder Kupfer-As). Ich finde diese Darstellung nicht authentisch und nach heutigem Verständnis auch nicht korrekt. Franzosen und Gallier haben nur das Land gemeinsam, das sie besiedeln. Im Nachwort erklärt der Autor, dass er durch diese zeitgenössischen Begriffe den Text leichter verständlich machen wollte für diejenigen, die sich bei den Römern nicht auskennen. Da ist etwas dran, allerdings können heutzutage wohl die meisten Leser Historischer Romane mit Begriffen wie Germanen, Legionen, Forum etwas anfangen. Andere Begriffe könnte man in einem Glossar erläutern.
In einer Szene beweist Robert von Ranke Graves, dass er Szenen intensiv und bildhaft schildern kann: Bei der Schlacht gegen die Britannier. Ich konnte mir den Ablauf der Schlacht gut vorstellen, v. a. weil schon vor der Schlacht das Schlachtfeld und die Taktik der Römer beschrieben wurden. Warum nicht immer so?
Fazit: Das Buch ließ sich flüssig lesen, aber es hat mich niemals in den Bann gezogen. Es gibt tausende Romane, die spannender sind. Wer also an einer spannenden Erzählung interessiert ist, sollte von diesem Roman die Finger lassen. Wer aber speziell über diese Epoche oder über Claudius mehr erfahren möchte, wird von diesem Buch nicht enttäuscht werden, allerdings würde in diesem Fall ein Sachbuch verlässlichere Informationen liefern.
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Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus:

Wer auf das Bild klickt, gelangt zum Wiki-Artikel über Claudius, ebenso weiter unten zu Livia und Tiberius.

Livia Drusilla

Tiberius Iulius Caesar Augustus |