Die Markgräfin - von Sabine Weigand
 
 

            

 

Die Markgräfin

- von Sabine Weigand

     
 

Barbara, die Tochter des Markgrafen von Ansbach, wird als Achtjährige mit dem Herzog von Groß-Glogau und Crossen verheiratet. Der Roman begleitet die Markgräfin durch ihr Leben. Im Wechselspiel mit dieser Handlung aus dem 16. Jahrhundert findet auch eine Handlung am Beginn des 21. Jahrhunderts statt – zweifellos etwas Besonderes im Genre des Historischen Romans. Am Beginn dieser Gegenwartshandlung findet der Kastellan der Plassenburg ein Babyskelett, das im Gemäuer der Burg eingemauert wurde. Daraufhin macht er sich zusammen mit einigen Freunden auf Spurensuche: Sie wollen die Geschichte herausfinden, die hinter diesem Skelett steckt.

Auf den ersten Blick haben Vergangenheits- und Gegenwartshandlung nichts miteinander zu tun, aber als erfahrener Leser ahnt man, dass die Handlungsfäden sich früher oder später kreuzen werden. Und tatsächlich: Immer wieder nehmen die beiden Handlungsstränge aufeinander Bezug. Mal wird in der Gegenwart ein Gemälde entdeckt, das später im Roman in der Vergangenheitshandlung gemalt wird, dann wieder geschieht etwas in der Vergangenheit, was die Forscher der Gegenwart erst noch herausfinden müssen. So ist der Leser den Romanfiguren immer einen Schritt voraus – und trotzdem ist es interessant zu erfahren, wie die Forscher der Gegenwart die Geschehnisse der Vergangenheit rekonstruieren.

An der Vergangenheitshandlung missfiel mir, dass die Hauptfigur (die Markgräfin) lange Zeit andere Menschen über ihr Leben bestimmen lässt, ohne selbst aktiv zu werden. Als sie sich schließlich doch wehrt und dafür bestraft wird, gibt es Kapitel, in denen sie nur weint und sich selbst bemitleidet, sonst geschieht nichts. Ich empfand sie deshalb bis weit in den Mittelteil des Buches als einen langweiligen Charakter. Dafür bildet zu Beginn vor allem die Gegenwartshandlung einen Anreiz weiterzulesen: Hier ergreifen der Burgkastellan und seine Mitforscher die Initiative. Und gegen Ende nimmt auch die Vergangenheitshandlung Fahrt auf: Die Markgräfin wird doch noch zu einem mitreißenden Charakter, die Handlung spannend, einige Szenen allerdings äußerst brutal.

Bis auf die Kapitel rund um den Höhepunkt am Ende haben wir es jedoch mit einem betulichen Roman zu tun, geeignet für jeden, der sich einen gemütlichen, stressfreien Leseabend wünscht: Die Autorin nimmt sich viel Zeit, Alltägliches und Nebensächlichkeiten zu schildern. Besonders oft wird zum Beispiel beschrieben, welche Kleider Barbara anzieht oder wie ihr Zimmer möbliert ist. Auch das Wetter wird oft ausführlich geschildert. So erfährt man am Beginn des zweiten Buches, dass der letzte Winter außergewöhnlich mild war, ohne dass diese Information für die Handlung, die im April startet, eine Bedeutung hat. Deshalb könnte, ginge es nach mir, bei vielen Kapiteln die erste halbe Seite gestrichen werden.

Ebenfalls gestrichen werden könnten ausführliche Vorstellungen von Nebenfiguren:  Manche Figuren werden ausführlich eingeführt, so dass ich dachte, ich habe eine neue Hauptfigur vor mir, nur um im Nachhinein festzustellen, dass diese Figur nur in einem Kapitel auftrat.

Ein gelungenes „Stilmittel“ sind die Briefe, die immer wieder zwischen den Handlungskapiteln eingeflochten sind: Ihr altmodischer Stil sorgt für „historische“ Atmosphäre (Zitat: „Gottes Gruß und Freundschaft zuvor, und mögen Euer königliche Gnaden gesund und wohl sein“).

Fazit: Der Roman hat bis in den Mittelteil seine Längen, aber der Showdown am Ende des Romans wiegt vieles auf. Eine lohnenswerte Lektüre.

 

 

 

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