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Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht
Wie schon in den ersten beiden Romanen dieser Reihe (Das Lächeln der Fortuna, Die Hüter der Rose) wird das Schicksal der Waringhams erzählt, einem fiktiven Adelsgeschlecht im mittelalterlichen England; oder vielmehr im England des ausgehenden Mittelalters, denn mittlerweile ist die Geschichte im 15. Jahrhundert angekommen, einer Zeit, in der in England ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den Häusern Lancaster und York tobte, der mal durch Intrigen und mal auf dem Schlachtfeld ausgetragen wurde. Schon im Prolog wird der Leser mitten hineingerissen in diesen Kampf, der bis zum letzten Kapitel ausgefochten wird.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die ausführliche Schilderung der zahlreichen Schlachten und Feldzüge, sondern der Lebensweg der beiden Waringham-Zwillinge Julian und Blanche. Gablé schildert die Auswirkungen des Bürgerkriegs auf ihre beiden Hauptfiguren, der Leser erlebt den Konflikt zwischen York und Lancaster mit ihren Augen. Schon in früher Jugend werden Julian und Blanche in diesen Konflikt hineingezogen, sie müssen sich für eine Seite entscheiden. Das tun sie – und kämpfen von nun an auf Seiten Lancasters in einem wechselvollen Konflikt. Dabei sind Gablés Schauplätze mehr die Burgen, Schlösser, Festmähler und Betten, weniger die Schlachtfelder und Feldlager.
Und das ist gut so! Denn Gablé versteht meisterhaft, über die Entwicklung ihrer Figuren zu erzählen sowie über deren Beziehungen untereinander. Die beiden Zwillinge sind wie alle Waringhams fiktive Figuren, sie kommen jedoch im Lauf des Romans mit den meisten historisch wichtigen Engländern dieser Epoche in Kontakt. Mehr noch: Die Beziehungen zu Königen, Königinnen, Königsmachern und Lords wie Henry VI., Henry Tudor, Marguerite d'Anjou, Edward IV. und dem Earl of Warwick sind persönlich und ständigen Änderungen unterworfen, wie auch die gesamte politische Situation, da Fortuna im Bürgerkrieg zwischen Lancaster und York mal die eine Seite, dann die andere Seite bevorzugt. Dies alles führt dazu, dass nicht nur die fiktiven Figuren, sondern auch die historischen Persönlichkeiten lebendig werden mit all ihren Schwächen und Stärken; man sieht, wie sie lieben, kämpfen (mit sich und gegen andere), hoffen und hassen. Ich fand die Charaktere im dritten Band facettenreicher und widersprüchlicher als in den beiden Vorgängern - für mich ein positiver Aspekt, denn die Figuren wirken dadurch lebensechter. So ist die Hauptfigur Julian grundsätzlich von edler Gesinnung, er hilft oft den Schwachen, besonders gerne wehrlosen Frauen. Aber er zögert auch keinen Moment, Männer zu rekrutieren und in die nächste Schlacht und damit in den Tod zu führen. Selbst nach einer Schlacht mit zehntausenden Toten will er weiterkämpfen. Als Grund dafür reicht ihm die Treue zum Haus Lancaster, auch wenn die Königin grausam und der lancastrianische König geistig umnachtet ist. Demgegenüber stattet Gablé einen Feind ihrer Hauptfiguren, den Yorkisten Edward, mit positiven Merkmalen aus: Er ist ein umsichtiger Herrscher und sucht die Versöhnung mit seinen Feinden.
Was ist nicht so gelungen wie die Charaktere? In der Handlung erschienen mir einige Dinge unrealistisch und unlogisch. Einige Beispiele: Einmal kniet Julian eine Ewigkeit neben einem Sterbenden, während um ihn herum die Schlacht tobt – aber um ihn kümmert sich niemand. Nach einer weiteren verlorenen Schlacht kann sich Julian anschließend in aller Ruhe aus dem Staub machen, da ihn mitten auf dem Schlachtfeld niemand bemerkt. Was ich auch nicht nachvollziehen konnte war, warum sich Julian absichtlich von den Häschern seines Feindes festnehmen lässt, obwohl er vermutet, erpresst zu werden.
Aber diese kleinen Schwächen änderten nichts daran, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht.
Die aufwendige Illustration des Buches sticht ins Auge: Es werden Landkarten geboten sowie die Stammbäume sämtlicher Familien. Jedoch sollte man den Text am Einband nicht vor der Lektüre lesen, denn dieser Text verrät nicht nur die Ausgangssituation, sondern schon einen Gutteil der Handlung. Auch den Stammbaum würde ich nicht ausführlich studieren: Wenn man weiß, wer wann ermordet wird und wer mit welcher Frau Kinder zeugt, wird die Antwort auf manch spannende Frage bereits verraten.
Rebecca Gablé will nun eine Waringham-Pause einlegen, aber es bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung: Im Nachwort schreibt sie, dass sie nicht „nie“ sagen will. Meine Bitte an Rebecca Gablé: Weitermachen, bis ein Waringham gegen die Nazis kämpft!
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Ein Klick auf die Bilder führt zu den Wiki-Artikeln der historischen Figuren im Roman "Das Spiel der Könige ".

Henry VI. -König von England

Marguerite d'Anjou - Gattin von Henry VI.

Henry Tudor
Margaret "Megan" Beaufort - Mutter von Henry Tudor

Edward IV. von England
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